Worte, viele Worte …

Worte, viele Worte …

In dieser Woche waren Viele viel unterwegs – so auch die deutsche Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, die nicht nur an der Eröffnung der Hannover Messe teilnahm, sondern einen Tag später auch an den Deutschen Biotechnologietagen in Leipzig. Zur großen Freude der Szene betonte sie die Bedeutung der Biotechnologie als eine der sechs Bereiche ihrer High-Tech-Agenda für die technologische Souveränität des Landes. Kein schlechtes Argument in diesen geopolitisch turbulenten Tagen.

Dazu passt ein anderes Zitat: „Die Möglichkeiten (der industriellen Biotechnologie) sind breiter gestreut als viele denken – und zwar ohne Dauersubventionen. Grundsätzlich kann jede organische Chemikalie aus landwirtschaftlichen Rohstoffen kommen. Gelingt es, die Landwirtschaft zum Rohstofflieferanten einiger Industrien zu machen, so führt das mittelfristig zu einer auf Landwirtschaft aufbauenden, verarbeitenden Industrie. Europa sollte seine Chance auf diesem Gebiet voll nutzen.“ Das sagte der Vizepräsident der EU-Kommission Karl-Heinz Narjes bei der Eröffnung der 2. Biotechnica in Hannover – vor genau 40 Jahren!

„Biotechnologie ist kein Nischensektor – sie ist eine strategische Säule für Europas zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Wenn es Österreich gelingt, Wissenschaft, Kapital und Politik besser zu verbinden, kann es eine deutlich stärkere Rolle im globalen Innovationswettbewerb spielen,“ sagte Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna in dieser Woche beim 5. Biotech Circle des Verbandes Biotech Austria in der Wiener Börse. Wie schwach solche Aussagen in der aktuellen Diskussion in die Öffentlichkeit durchdringen, zeigte auch die Medienresonanz auf den Petersberg Klimadialog in Berlin: Dort wurde zwar die Abkehr von fossilen Energiequellen gefordert, doch als Alternativen werden (etwa von Greenpeace) wortreich nur Sonnen- und Windenergie und eine konsequente Elektrifizierung des Verkehrs genannt.

Wenigstens eine Nachricht dieser Woche hatte echte Substanz: Der Rat der Europäischen Union hat der Einigung zugestimmt, dass von Mitte 2028 an (mit CRISPR-Cas9 et al.) molekularbiologisch gezüchtete Lebensmittel ohne spezielle Prüfungen und Kennzeichnungen auf den Markt gebracht werden können. Das ach so innovationsfreundliche Deutschland hat sich bei der Abstimmung enthalten. Und die Überschrift der dpa-Meldung lautete: „Gentechnik ohne Kennzeichnung“. Und ja, das Europäische Parlament muss der Einigung noch zustimmen. Hoffen wir mal, dass auf die vielen Worte auch Taten folgen.

Foto: pixabay.com | Ulrich Dregler


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