Ohne die internationalen Kapitalmärkte hat keine industrielle Disruption eine Chance. Da können noch so viele Politikerrunden von Sprunginnovationen schwafeln, Liza Minelli sang in „Cabaret“ ganz recht: „Money makes the world go round!“ Mitten drin die Börse: Kurzfristig zuweilen irrational, langfristig liegt sie meistens richtig. Unlängst hatten wir einen Rüstungshype, derzeit einen KI-Hype, und mit humanoiden Robotern scheint das nächste Aufregerthema schon in den Startlöchern. Wie kommt es nur, dass die Kapitalmärkte bei den beiden wichtigsten globalen Bedrohungen derzeit – Klimaerwärmung und Verlust an Biodiversität – ziemlich blind zu sein scheinen?
Das betrifft nicht nur das Katastrophenszenario, sondern auch die disruptiven Chancen für die Volkswirtschaften. Schon morgen zählt nicht mehr, wer die besten Autos baut (eine Erfindung des vorletzten Jahrhunderts), sondern wer den Planeten ökologisch bewohnbar hält und Milliarden von Menschen nachhaltig ernährt. In der Frankfurter Zeitung, hinter der meist ein kluger Kopf stecken soll, stand unlängst ein interessanter Bericht zum Thema ‚Wie kommuniziere ich Biodiversität?‘. Darin wird Henrik Pontzen zitiert, Nachhaltigkeitschef bei Union Investment: „Die Wissenschaft ist gut darin, Mikro- und Makroaussagen zu treffen. Aber der Kapitalmarkt ist nur gut darin, Mesoaussagen zu verarbeiten.“ Forscher liefern also gute, eng umgrenzte Details und große globale Trends, die Kapitalmärkte brauchen aber Aussagen für das Meso, also die breite Mitte der unternehmenden Wirtschaft im internationalen Wettbewerb.
Darüber lohnt es sich, nachzudenken. Auch, welche Rolle Medien und Politik dabei spielen. Bei den elektronischen (Des-)Informationsplattformen sind wieder andere Interessen im Spiel. In Bezug auf die Börsen darf man sich ruhig daran erinnern, dass diese mit derartigen Problemen schon immer zu kämpfen hatte. Die Antipoden hier heißen kurzfristige Spekulation und langfristige Investition. Wer sein Geld langfristig anlegen möchte, der findet auch heute schon Unternehmen, die sich ernstlich auf die Zukunft (und ihre Chancen) vorbereiten. Ein erstes gutes Indiz ist immer, wenn das Wort ‚Biotechnologie‘ im Geschäftsbericht auftaucht.
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