Die industrialisierte Welt erlebt wilde Zeiten momentan, auch wenn man das hierzulande nur medial oder an der Tankstelle merkt. Krieg ist ein unmittelbarerer Schock als der langsam wirkende Klimawandel, obwohl letzterer global gesehen das größere Problem darstellt. Angesichts der dramatischen Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus (eine ‚Meerenge‘ – und das in Zeiten der KI…) müssten eigentlich überall sofort Pläne auf den Tisch, wie sich die Welt endlich von der Droge des fossilen Öls befreien und diversifizieren könnte. Aber ist das zu sehen? Die BASF nimmt in dieser Woche in China einen Steamcracker in Betrieb – sozusagen eine Krone der Fossilchemie. Drill, Baby, drill!

Nach einer im Dezember durchgeführten Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach sind nur noch 43 Prozent der Befragten für eine Energiewende, die vorrangig auf erneuerbare Energien setzt. Vor 14 Jahren (!) hielten das noch 73 Prozent für den richtigen Weg. Die Politiker fordern derweil eine Kappung oder Aussetzung der CO2-Abgabe – ausgerechnet! Treibstoffe, Stromerzeugung, Kunststoffe, Dünger, Chemikalien – von einer Götterdämmerung des fossilen Ölzeitalters kann also derzeit keine Rede sein.

Leider scheint völlig in Vergessenheit geraten zu sein, dass wir mit der Biotechnologie etwas in der Hand halten, das beide Probleme auf einmal lösen könnte: die Klimakrise und die geopolitischen Abhängigkeiten. Immer wieder wird beklagt, dass biotechnische Verfahren im industriellen Maßstab gegenüber dem Öl zu teuer sind. Kein Wunder, die Petrochemie hat 100 Jahre industriellen Vorsprung. Den aufzuholen bedarf es einiger Anstrengungen – siehe Klima und Geopolitik. Optimisten sehen natürlich einen Silberstreif am Horizont. So erinnerte der deutsch-schwedische Wirtschaftswissenschafter Carl Benedikt Frey (Oxford) unlängst in der FAZ daran, dass grundlegend neue technologische Durchbrüche Unordnung brauchen und möglichst dezentral gesteuerte Institutionen. Diese beiden Voraussetzungen sind aktuell vorhanden. Legen wir also los!?

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