Unlängst ging es nicht anders: Einige Regalmeter Bücher aus Jugend- und Studentenzeiten mussten Platz machen für Neues. Dabei fiel mir ein Paperback in die Hände, das ich nun wirklich nicht entsorgen konnte, da es Anfang 1976 (mit 18) mein ganzes weiteres Leben prägen sollte: „Der stumme Frühling“ der amerikanischen Biologin Rachel Carson. 1962 erstmals erschienen, prangert es die verheerenden Auswirkungen des chemischen Pflanzenschutzes („Biozide“) an. Der Titel „Silent Spring“ bezieht sich auf das Verschwinden der Singvögel infolge des schwer gestörten ökologischen Gleichgewichtes unserer Umwelt. Mit dem Buch trat sie eine politische Debatte los, die später zum weltweiten Verbot des Insektizids DDT führte.
Vorhin wurde ich nun wieder an dieses Buch erinnert, als ich mit meinem Hund durch die Felder der Stolper Heide im nahen Brandenburg lief. In unserer Gegend herrscht schon seit Jahren eine katastrophale Dürre – den Klimawandel merkte man im Norden Berlins schon lange vor der jüngsten Hitzewelle. Was wächst hier: Mais nach Gründüngung, Gerste nach Glyphosat, Sonnenblumen und Gemüse einer nahen Öko-Genossenschaft. Dazwischen Wege mit Büschen und Bäumen, in manchen Jahren gab es sogar Blühstreifen. Keine Insekten bemerkbar. Und die Vögel? In mehr als einer Stunde 1 Lerche, 3 Mehlschwalben, 1 Spatz – das war’s. Auch zu Hause: Keine Amsel singt mehr, die Fledermäuse am Abendhimmel gibt es auch nicht mehr. Rachel Carson lässt grüßen.
Warum schreibe ich das hier? Heute kam die Nachricht, dass Kanada für rund 62 Milliarden Euro U-Boote in Deutschland kauft. Eigentlich wollte ich das aufgreifen, um auf die furchtbare Fehlallokation der globalen Geldmittel hinzuweisen. Statt alle Anstrengungen auf die (Klima-)Rettung unserer Biosphäre zu richten, sind es ein paar durchgeknallte alte Männer, die auch friedliche Demokratien mit ihren Kriegen zu teuren Verteidigungsanstrengungen zwingen. Bauen wird die U-Boote TKMS, eine Tochter von Thyssenkrupp. Eine andere Tochter, ThyssenKrupp nucera, vermeldet derweil die Unterzeichnung einer strategischen Kooperationsvereinbarung zur Förderung von grünem Wasserstoff in Indien. Das interessierte heute wahrscheinlich niemand.
Abb: pixabay/alexnewworld
