Der bis vor kurzem noch größte Chemiekonzern der Welt, die BASF, gilt mit ihren beiden gigantischen Steamcrackern in Deutschland und China als Hohepriester der Fossilchemie. Unlängst ging eine Meldung durch die Presse: Die BASF Agricultural Solutions hat ihren BioHub, eine neue Fermentationsanlage für biologische und Biotechnologie-basierte Pflanzenschutzprodukte, in Ludwigshafen erfolgreich in Betrieb genommen. Die Anlage soll biologische Fungizide und Produkte zur biologischen Saatgutbehandlung herstellen. Produziert werden Wirkstoffe wie das Bakterium Bacillus amyloliquefaciens als Grundlage eines biologischen Fungizids sowie ein neuartiges Insektizid basierend auf dem Pilzstamm Penicillium coprobium. Warum ist das interessant?

Die Meldung wirft ein (kleines) Schlaglicht auf einen Aspekt der deutschen Chemieindustrie, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen dürfte. Nicht nur die BASF, sondern auch Bayer, Evonik, Wacker Chemie oder Covestro haben signifikante Aktivitäten im Bereich Biotechnologie. Also Köpfe, Wissen und Patente. Und das nicht erst seit dem Irankrieg, sondern seit Jahrzehnten. So lange das fossile Öl billig und zuverlässig sprudelte, ließ sich mit der in 150 Jahren ausgefeilten Petrochemie schneller und leichter Geld verdienen. Dass wir damit aber das Klima unseres Planeten ruinieren, ist für viele Manager und Finanziers bis heute noch eine schwer zu verdauende Erkenntnis. Doch die Schließung der Straße von Hormus hat nun der ganzen Welt vor Augen geführt, wie abhängig unsere Wirtschaft von der fossilen Droge ist. Wer wusste zum Beispiel vorher schon, dass Mineraldünger aus Erdgas hergestellt wird? Laut einer Schätzung der Weltbank wird Dünger in diesem Jahr um 30% teurer werden. Schon hat die EU einen „Düngemittel-Aktionsplan“ vorgelegt, der unter anderem die Förderung biobasierter, kreislauffähiger Düngemittel beinhaltet.

Ob es nun das Klima oder Hormus ist, die Öl- und Chemiebranche kann nicht so weitermachen wie bisher. Gerade erst sind ihre vom Ifo-Institut monatlich abgefragten Geschäftserwartungen auf den tiefsten Wert seit Oktober 2022 abgesackt. Um eine generelle Biologisierung der Industrie werden wir nicht herumkommen, denn die Naturgesetze sind unerbittlich. Die Pharmaindustrie hat es binnen weniger Jahrzehnte vorgemacht: dort basieren heute fast zwei Drittel aller neuzugelassenen Medikamente auf Biotechnologie. Es ist sicherlich gut, dass die hiesigen Chemiekonzerne auf eigenständige Biotechnologieforschung zurückgreifen können. Wahrscheinlich wurden in den vergangenen Jahrzehnten ja verborgene Schätze des Wissens gebunkert, die es nun, da es ungemütlich wird, zu heben gilt. Denn es gilt noch immer: Wissen ist Macht = Vorsprung gegenüber der Komkurrenz!

(Anm.: Die genannten Chemiekonzerne sind aufgrund ihrer biotechnologischen Aktivitäten Bestandteil des Beteiligungsportfolios der BIOCOM AG.)

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