Die Teilnahme an dieser Tagung ist mit Sicherheit nicht vergnügungssteuerpflichtig: An Wochenende ging in der armenischen Hauptstadt Eriwan die 17. Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen zu Ende. Tausende von Delegierten aus der ganzen Welt rangen zwei Wochen darum, wie man den schon früher beschlossenen Stop der immer noch fortschreitenden globalen Naturzerstörung bis zum Jahr 2030 realisieren und vor allem finanzieren kann. Der Wohlstand der meisten reichen Länder der Welt basiert vor allem auf der Ausbeutung der Natur – warum sollte man also für deren Abschaffung zahlen? Saudi-Arabien ist da nur ein (besonders übles) Beispiel. Also arbeitete man sich wenigstens am geforderten Abbau von umweltschädlichen Subventionen ab.

Das Grundproblem scheint weltweit zu sein, dass die meisten Menschen nicht mehr verstehen, dass eine intakte Natur die Grundlage für einfach alles ist. Lernt man nicht schon in der Schule, dass möglichst viele verschiedene, also diverse Arten ein Ökosystem stabil machen? Dass zu schnelle Veränderungen wie der rasant steigende CO2-Gehalt unserer Atmosphäre die Anpassungsfähigkeit der Systeme überfordert? Wir streiten uns über Renten, Preise, Autos, Mieten, Waffen und KI – dabei basiert auch das alles darauf, dass die Ökosysteme unseres Planeten unser Überleben ermöglichen. Ich fürchte, unser Lebensstil hat uns so weit von den natürlichen Lebensgrundlagen entfernt, dass wir immer weiter auf den Abgrund zutrotten.

Natürlich ging es deshalb in Eriwan um das liebe Geld. Eine Finanzierungslücke von 700 Milliarden US-$ wurde bei der Realisierung des Weltnaturabkommens ausgemacht. Hatten nicht unlängst einzelne Konzerne Marktkapitalisierungen von 1 Billion US-$ überschritten? Da klingen 700 Milliarden auf einmal gar nicht so viel. Trotzdem tun sich die Staaten unendlich schwer, wenigstens umweltschädliche Subventionen abzubauen.

Wenn es denn auch hier wieder heißt „It’s the economy, stupid!“, sollten wir uns fragen, was wir Einzelnen denn im Kleinen tun können? Neben dem persönlichen Lebensstil käme hier vor allem die Geldanlage in Frage. Sehr populär sind an den Kapitalmärkten die für Privatanleger einfachen und kostengünstigen ETFs. Es ist nicht so furchtbar schwer, seine Spargroschen in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu lenken. Man muss nur ein paar Kürzel kennen, die in den Namen der ETFs auftauchen: das schon ältere ‚ESG‘ zum Beispiel, in dem das E für Environmental steht und umweltschädliche Unternehmen ausschließt. ‚CTB’ heißt Climate Transition Benchmark – hier müssen die Unternehmen noch nicht unbedingt komplett klimaneutral wirtschaften. Deutlich besser ist ‚Paris Aligned‘, das direkt auf das Pariser Klimaschutzabkommen Bezug nimmt. Für Fortgeschrittene käme auch „Artikel 9“ in Frage. Das bezieht sich auf die europäische Offenlegungsverordnung SFDR und bedeutet, dass Investments hier ausdrücklich nachhaltig sein sollen. Kennfarbe dunkelgrün!

Wie sang Liza Minelli in ‚Cabaret‘: „Money makes the world go round!“ Also los, fangen wir alle einfach an, die Welt ein kleines bisschen zu retten.

Abb. pixabay | Sharmin Rahman | KI