Der Krieg im nahen und mittleren Osten hat die Öl- und Gaspreise weltweit in die Höhe schnellen lassen – die Autofahrer dürfen sich auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunkkanälen darüber echauffieren: eine Unverschämtheit sei das! Immerhin sind in dieser allgemeinen Empörungs-Kakophonie einige Stimmen zu hören, die zum verstärkten Ausbau von Energiealternativen aufrufen. Selbst Deutschlands blasser Umweltminister Carsten Schneider (SPD) meint, dass man jetzt „von Erdöl und anderen fossilen Energieträgern loskommen“ müsse und so die Abhängigkeit von geopolitisch unsicheren Ölregionen verringern könnte. „Dekarbonisierung“ nannte man das – sprachlich falsch – noch vor einiger Zeit und meinte die Defossilierung zugunsten des Klimaschutzes.

Schneider meint nun, dass wir schnellstens Windkraft, Solarenergie, Elektromobilität und Wärmepumpen ausbauen müssen – ein zeittypisch enger Blick auf die Energiefrage. Der breite Einsatz von Biotechnologie in der Wirtschaft hingegen würde uns Unabhängigkeit und Klimaschutz zugleich bringen. Nicht nur in der Pharmabranche, wo sie sich längst durchgesetzt hat, sondern auch in der Chemie- und Materialindustrie, in der Landwirtschaft oder bei fortschrittlicher Lebensmittelherstellung würde uns eine Biologisierung der Industrie nicht nur unabhängig machen, sondern auch einen Standortvorteil im internationalen Wettbewerb bedeuten. Typen wie der goldene Donald mit ihrem „drill, Baby, drill“ sind von vorgestern – genauso wie das ganze schmutzige Geschäft mit dem Öl.

Wer noch in der Lage ist, ein geistiges Apfelbäumchen zu pflanzen, hofft darauf, dass am Ende der aktuellen Krise wenigstens ein paar finstere Diktaturen fallen, sich bei den „Führern“ die Spreu vom Weizen trennt, mehr Menschen in Freiheit und Selbstbestimmung leben können und die Welt erkennt, dass die Ära von fossilem Öl und Gas dringend zu Ende gehen muss. Wir haben schon die Technologien von morgen – ökonomische Disruption ist allemal besser als archaische Gewalt!

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