Der Kurs der BioNTech SE rauschte in dieser Woche um mehr als 20% abwärts, als bekannt wurde, dass das Gründerpaar Ugur Sahin und Özlem Türeci Ende des Jahres ihre Chefposten räumen werden, um ein neues, auf mRNA fokussiertes Biotech-Unternehmen zu gründen. Geplant ist eine Überkreuzbeteiligung und ein Transfer von Rechten und Technologien. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, machte der Kurs schnell die Hälfte der Verluste wieder wett. Die andere Hälfte ist der Unsicherheit geschuldet. Ich habe großes Verständnis für den Schritt der beiden: Durch den erfolgreichen Corona-Impfstoff wurde BioNTech von einem kleineren Forschungsunternehmen zu einem globalen Pharmakonzern katapultiert: dem lag nicht nur exzellente Wissenschaft, sondern auch unternehmerisches Können der Finanziers zugrunde – vornehmlich der Brüder Strüngmann. Wissenschaft und Unternehmensführung sind aber schlecht miteinander zu vereinbaren. Dass sich Türeci und Sahin nun wieder auf die Ebene eines Start-ups begeben, liegt bestimmt an der Sehnsucht nach wissenschaftlicher Freiheit. Man sollte abwarten, ob dieses mutige Manöver nicht letztlich allen Beteiligten zugute kommt. Schließlich bleiben die Verbindungen – auch die finanziellen – eng.

Wie die ganze fossilchemische Branche leidet auch die Wacker Chemie AG unter den Ölpreisturbulenzen, die der Krieg im nahen und mittleren Osten ausgelöst hat. Umso erfreulicher, dass Vorstandschef Christian Hartel vor der Presse auf die Chancen der markenträchtigeren Spezialitäten hinwies und dann besonders auf Wackers Life Sciences-Sparte ‚Biosolutions‘ mit ihren innovativen Biotechnologie-Anwendungen. Na bitte, da geht noch was!

Ganz andere Sorgen hat der Pharma-Verpackungsspezialist Gerresheimer AG. Der vormalige Qualitätswert, der 2023 noch bei mehr als 120 Euro notierte, dümpelt aktuell um die 18 Euro. Grund sind Ungereimtheiten im Zahlenwerk für 2024 und 2025. Jetzt wird der Jahresabschluss nicht bis Ende des Monats fertig, man rechnet mit Juni. Die Folgen sind gravierend: Die Hauptversammlung muss verschoben werden und es droht der Zwangsausschluss aus dem SDax. Nichts für schwache Nerven.

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