„Drill, Baby, drill!“ Was ist nur so schwer daran zu verstehen, dass sich die Menschheit mit ihrer rückwärtsgewandten Fixierung auf fossiles Öl selbst den Teppich unter den Füßen wegzieht? Nun, der ohnehin psychisch auffällige Autor des Eingangszitats ist 80 Jahre alt, der träumt halt den amerikanischen Traum seiner Jugend. Aber was ist zum Beispiel mit den zig Millionen, die Feier- und Brückentag zu einer SUV-Völkerwanderung in den Kurzurlaub nutzen? Warum fällt es uns so unsagbar schwer, angesichts der bereits begonnenen Klimakatastrophe unsere Gewohnheiten zu überdenken?
Die Antwort mag in der Evolution liegen. Schon vor Jahrzehnten haben Verhaltensforscher herausgefunden, dass sich der moderne Mensch wie in Urzeiten noch immer in einer Kleingruppe von bis zu 11 Personen am vernünftigsten und empathischsten verhält. Familie und Freunde – hier zählen rationale Argumente, um die Gruppe zu beschützen. Taucht der Mensch aber in Massen auf, wird er irrational. Dann findet er seine Erfüllung im Gruppenerlebnis, sei es politisch, weltanschaulich, religiös oder auch musikalisch. Tauchen dann unverantwortliche Führer auf, können diese die Massen komplett irrational lenken. Die Geschichte ist voll von leider zumeist üblen Beispielen. Von den asozialen Medien heutzutage ganz zu schweigen.
Der zugegeben mühsame Ausweg ist neben Bildung, Information und sanfter Lenkung vor allem das Anbieten von positiven Alternativen. Wir müssen Freude und Hoffnung säen! Schlecht begründete Verbote bringen wenig – siehe Veggie-Day oder Heizungsdiktat. Wer einmal in Paris bestaunt hat, wie lebenswert eine alte Stadt ohne eine alles erstickende Blechkarawane ist, wird sein eigenes Umfeld und Verhalten hoffentlich hinterfragen. Wem beim schmackhaften Abendessen klar wird, dass Brot, Wein, Käse und Bier seit Urzeiten biotechnologisch hergestellt werden, der gruselt sich vielleicht nicht mehr vor dem Hähnchen- oder Hackfleisch aus dem Bioreaktor. Ohne Massentierhaltung lässt sich auch das Klima noch retten.
Seit Jahrzehnten wurden Milliarden in die Biotechnologieforschung gesteckt. Jetzt ist es höchste Zeit für die kreislauforientierte Biologisierung der Industrie. Dass sich damit auch die eine oder andere geopolitische Bedrohung auflösen lässt, ist das Sahnehäubchen obendrauf.
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