Donnerwetter, das kommt nicht alle Tage vor: die Biotechnologie bestimmt die Wirtschaftsnachrichten. Die größten Wogen schlug diese Woche die Nachricht, dass das Biotech-Vorzeigeunternehmen BioNTech SE mit Sitz in Mainz in der Corona-Epidemie eiligst errichtete Produktionsstandorte in Marburg, Tübingen, Idar-Oberstein und Singapur mit insgesamt fast 1.900 Beschäftigten schließen und die noch nachgefragten Covid-19-Impfstoffe künftig beim Partner Pfizer produzieren lassen will. Insbesondere beim übernommenen Ex-Konkurrenten Curevac in Tübingen ist die Verbitterung groß. Das Ganze soll 500 Millionen Euro jährlich einsparen.
Vor allem die Gewerkschaften wettern gegen den vermeintlichen Kahlschlag, der Börsenkurs drehte ins Minus. Die üblichen Schwarzseher haben Hochkonjunktur. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass BioNTech immer noch mehr als 4.000 Beschäftige alleine in Deutschland haben wird und zudem über rund 16 Mrd. Euro finanzielle Reserven verfügt. Die Konzentration auf das ursprüngliche Kerngebiet der Onkologie ist sinnvoll, für die Werke gibt es aber mangels fertiger Produkte schlicht nichts zu tun. Die unter dem Stichwort „Resilienz“ geforderte Vorhaltung von Produktionskapazitäten ist nicht die Aufgabe eines kommerziellen Unternehmens – schon gar nicht in der knallharten Pharmabranche. Stilllegungen sind nie schön, doch konsequenter Umgang mit den Ressourcen hat noch keinem Unternehmen geschadet.
Der andere Aufreger der Woche war die geplante Reform des Gebäudeenergiegesetzes. Jetzt wird klar, was die „Biotreppe“ bedeuten soll. Zwischen 2029 und 2040 soll der Anteil vorwiegend biogener Energieträger von 10 auf 60 Prozent ansteigen: Biomethan, biogenes Öl und Gas und klimaneutraler Wasserstoff. Während sich die entsprechenden Hersteller über einen Boom am Horizont freuen, kamen sofort die üblichen Klagen: es gäbe gar nicht genug von diesen Energieträgern und vor allem würde das Ganze furchtbar teuer werden. Warum eigentlich: Ein neuer Markt lockt neue Akteure, die wahrscheinlich auch neue Technologien nutzen. Ein freier Markt lässt tendenziell die Preise sinken. Auch werden die steigenden CO2-Abgaben eingespart. Also lassen wir doch die Bio-Industrie erstmal auf ihre neue Treppe los. Nicht immer alles schwarzmalen, sondern einfach mal machen. (Huch, ist das jetzt ein Zitat?)
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