Es gibt Hiobsbotschaften, an die wir uns schon gewöhnt haben. Der Erdüberlastungstag war in diesem Jahr global der 30. Juli, für Deutschland der 10. Mai. Dieser Tag markiert den Zeitpunkt, an dem die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als die Ökosysteme des Planeten im gesamten Jahr erneuern können. Schulterzucken bei den meisten – da die Weltbevölkerung immer weiter wächst, kann man da sowieso nichts machen. Jetzt sickern aber Daten ins öffentliche Bewusstsein, die uns aufmerken lassen sollten: Das globale Bevölkerungswachstum schwächt sich unerwartet ab, der Höchststand in diesem Jahrhundert rückt näher, ein darauf folgender Rückgang erscheint sehr wahrscheinlich. Was ökologisch ein Segen wäre, dürfte aber einen Umbau der Sozialsysteme erfordern.
Weltweit sinkt die Geburtenrate stark: 2024 lag die globale Fertilität laut UN bei etwa 2,3 Kindern pro Frau, gegenüber 3,3 im Jahr 1990. In mehr als der Hälfte aller Länder (!) liegt sie bereits unter dem langfristigen Bestandserhaltungswert von etwa 2,1. Je nach Projektion könnte es zwischen 2064 und 2080 einen „Peak“ von bis zu 12 Milliarden Menschen geben – mit Schwerpunkt in Afrika, da die dortige Bevölkerung außerordentlich jung ist. In Europa, China und anderen Regionen dürfte die Einwohnerzahlen hingegen schon früher deutlich zurückgehen. Die UN sieht das als Teil des entwicklungsbedingten „demografischen Übergangs“: hohe Kindersterblichkeit → sinkende Kindersterblichkeit → hohe Geburtenrate → sinkende Geburtenrate → Alterung → Bevölkerungsrückgang. Über die Ursachen lässt sich trefflich streiten, doch scheint diese Entwicklung – hin zu längeren Lebenszeiten und kleineren Familien – ein grundlegendes Muster der weltweiten Bevölkerungsentwicklung.
Was wir in Deutschland aktuell mit unseren quälenden Reformversuchen in Sachen Rente erleben, ist demnach gerade mal ein sanftes Vorgeplänkel. Umlageverfahren gehören schnellstmöglich abgeschafft, Nachhaltigkeit ist auch in den Sozialsystemen das Gebot der Stunde. Die Wirtschaft ist da vergleichsweise schon etwas weiter, wenn auch die Defossilierung noch sehr schleppend verläuft. Heute haben wir eine globale Bevölkerung von rund 8,3 Milliarden Menschen. Die Prognosen gehen von 10 Milliarden Menschen auf Dauer aus. Um diese nachhaltig zu versorgen, müssen wir mit den Ressourcen unseres Planeten viel schlauer und effektiver umgehen als bisher. Auch wenn es die Ewiggestrigen auf allen Ebenen nicht hören wollen: Wir müssen unser Leben und Wirtschaften den natürlichen Kreisläufen des Planeten anpassen, und zwar schnell.
Abb.: geralt | pixabay
