Nicht mehr lange, dann beginnt bei uns wieder eine Völkerwanderung, die das namensgebende historische Ereignis längst in den Schatten stellt: Sommerzeit ist Ferienzeit. War da was mit Klimakatastrophe? Ach was, viel schlimmer ist, dass wir jetzt umbuchen müssen, denn das mit Dubai als Knotenpunkt ist viel zu unsicher. Venedig nimmt Eintrittsgeld? 10 Euro, lächerlich. Und Rom für den Trevi-Brunnen? 2 Euro? Man gönnt sich ja sonst nichts. Am „Overtourism“ sind grundsätzlich die anderen Schuld. Was machen die bloß alle hier?
Kürzlich bediente auch der SPIEGEL den auf höchstem Niveau jammernden Zeitgeist. Unfassbar, dass in einer großen Titelgeschichte zum Thema „Urlaub“ mit keinem einzigen Wort erwähnt wurde, dass der heutige Massentourismus für 8 bis 9 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich ist. Individuelles Reisen ist gut und wichtig: Gerade in der Jugend sollte man andere Länder und Menschen kennenlernen – das prägt für’s ganze Leben. Aber pro Jahr 650 Millionen Menschen in ihrem Wohlstandskokon zum Abhängen bis in den letzten Winkel des Planeten zu expedieren? Dieser weltweite, auf fossilen Energieträgern basierende Pauschalreisezirkus ist nur erschwinglich, weil er die natürlichen Ressourcen der Erde verbraucht. Das Magazin postulierte das „Ende der touristischen Sorglosigkeit“. Die hätte es schon lange nicht mehr geben dürfen.
Natürlich gibt es Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck auch von Pauschalreisen zu verringern. Doch bislang hat der Exekutivsekretär der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) Simon Stiell recht, der diese Woche in Bonn meinte, dass sich die Welt ganz allgemein im „Würgegriff fossiler Brennstoffe“ befinde. Er mahnte, dringend die beschlossenen Maßnahmen des Pariser Klimaschutzabkommens umzusetzen. Für den Tourismus bedeutet dies: Erst wenn es genügend klimaneutrale, möglichst biotechnisch hergestellte Treibstoffe gibt, kann es wieder so etwas wie touristische Sorglosigkeit geben.
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