Gier frisst Hirn

Gier frisst Hirn

Einen Freudensprung machte der Kurs-Chart der Bayer AG am Nachmittag des 17. Februar. Nur 7 Cent fehlten an 50 Euro. Am nächsten Morgen ging es ebenso rasant wieder hinunter in die Region von 43 Euro. Seither ist Bayer von neuem groß im Blick der Börsianer. Eine juristische Einigung in den USA weckte zunächst Hoffnungen auf ein Ende des Glyphosat-Desasters, doch schnell stellte sich das Ergebnis als außerordentlich komplex und wahrscheinlich teuer heraus. Damit war der Gordische Knoten noch nicht durchgeschlagen.

Aber immerhin geht der aktuelle Bayer-Chef Bill Anderson das Problem mit glaubwürdigem Elan an. Jetzt wartet alles auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA in Sachen Glyphosat-Klagen. Vor ziemlich genau 10 Jahren legte Bayer ein erstes Übernahmeangebot für den US-Konzern Monsanto vor – bei Vollzug zwei Jahre später kostete der Zukauf 60 Mrd. Euro. Heute liegt die Marktkapitalisierung des gesamten Bayer-Konzerns gerade mal bei 42 Mrd. Euro. Ein Desaster!

Schon damals schrieb ich in einem |transkript-Editorial, dass der seinerzeitige Bayer-Chef Werner Baumann damit eine noch größere Wertvernichtung vollbringen werde als noch mal 17 Jahre früher der Hoechst-Verweser Jürgen Dormann – und der hatte immerhin einen deutschen Weltkonzern auf dem Gewissen. Damals wie heute glaube ich, dass Baumann und seine Gehilfen im proklamierten Life-Sciences-Konzern Bayer nicht verstanden hatten, das Monsanto zwar ebenfalls molekularbiologische Techniken einsetzte, aber nicht für oder mit, sondern gegen die Natur arbeitete. Dabei kannte man sich gut: Schon von 1954 bis 1967 waren beide Konzerne in einem Joint Venture namens Mobay verbunden, das das berüchtigte Totalherbizid „Agent Orange“ für den Vietnamkrieg produzierte.

Als Beobachter kann man sich nur fragen, was diese hochbezahlten Spitzenmanager vor zehn Jahren bewegte, den Begriff Life Sciences derart misszuverstehen. Lebenswissenschaften klingt auf Deutsch warm und positiv – was man zum Beispiel von einem Herbizid namens „Basta“ nicht gerade sagen kann. Aber Glufosinat ist eine andere Geschichte. Alles Gute, Mr. Anderson, vielleicht ziehen Sie ja den Karren aus dem Dreck!

Foto: © Bayer AG