Das politische Beben, das die jüngste Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verursacht hat, sorgt für zahlreiche Nachbeben. Während sich die einen im Siegestaumel aufführten, als wäre der Endsieg errungen worden, verwiesen die anderen darauf, dass die dortige Wählerschaft mal gerade 3% der deutschen Bevölkerung repräsentiert. Dass bei dem ganzen Theater das ohnehin zarte Pflänzchen Wirtschaft ernstlich beschädigt werden könnte, geht unter. Schließlich sind die Wahlsieger fest auf der Seite der Klimaschutzgegner zu verorten. Dabei hat Sachsen-Anhalt beste Aussichten, wenn es um die notwendige Biologisierung der Industrie geht. Hier ein paar Leuchttürme ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Das größte börsennotierte Unternehmen Sachsen-Anhalts ist die Verbio SE (Vereinigte Bioenergie) mit Konzernsitz in Zörbig, zwischen Halle und Dessau. Dortselbst betreibt Verbio eine integrierte Bioraffinerie, in der Bioethanol und als Nebenprodukt Biomethan hergestellt werden. Zudem gibt es hier eine Pilotanlage zur Gewinnung von Proteinen aus der Ethanolproduktion. Eine weitere Bioraffinerie für Biodiesel, Glycerin und Sterole betreibt Verbio in Bitterfeld-Wolfen. Dort ist auch eine großtechnische Anlage für biobasierte Spezialchemikalien im Bau – Stichwort Ethenolyse von Rapsmethylester. 

Auch andere große Namen sind biotechnisch in Sachsen-Anhalt aktiv: Die BASF und vor allem die Saatgutspezialisten von KWS sind in und um Gatersleben in der Agrarbiotechnologie prägend, während Bayer in Halle die ehemalige Icon Genetics pflanzenbiotechnisch weiterführt. Dort unterhält auch der Wacker Chemie-Konzern mit seiner Tochter Wacker Biotech GmbH einen Standort, der auf rekombinante Proteine und andere Biopharmazeutika spezialisiert ist. Weitere große Akteure in Halle sind Bayer oder BioNTech sowie Novartis in Barleben jeweils im biopharmazeutischen Sektor. Last but not least die große Bioraffinerie des finnischen UPM-Konzerns in Leuna. 

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, wenn man die renommierten Wissenschafts- und Forschungsstandorte dazunimmt. Insgesamt würde Sachsen-Anhalt also stark von einer Defossilierung der Industrie profitieren. Eigentlich unfassbar, dass eine Partei bei den Landtagswahlen die stärkste Kraft wurde, die stattdessen auf eine Wiederaufnahme der Öl- und Gaslieferungen aus dem aggressiven Russland setzt. 

Foto: UPM Leuna