{"id":1083,"date":"2026-10-22T17:11:24","date_gmt":"2026-10-22T17:11:24","guid":{"rendered":"https:\/\/biocom.ag\/?p=1083"},"modified":"2026-10-22T17:11:24","modified_gmt":"2026-10-22T17:11:24","slug":"der-elefant-im-raum-heisst-biotechnologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/biocom.ag\/en\/der-elefant-im-raum-heisst-biotechnologie\/","title":{"rendered":"Der Elefant im Raum hei\u00dft Biotechnologie"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">An der B\u00f6rse ist aktuell zu sehen, dass sich hierzulande wieder oder immer noch unternehmerisches Wollen zeigt: \u00dcbernahmepl\u00e4ne, Investitionen und Rationalisierungen im gro\u00dfen Stil. Bei f\u00fcnf Man\u00f6vern f\u00e4llt aber auf, dass letztlich der Kern des Ganzen kaum benannt wird \u2013 und steht doch wie der sprichw\u00f6rtliche Elefant im Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man\u00f6ver 1: K\u00fcrzlich wurde lanciert, dass die BASF vorsichtig ein \u00dcbernahmeinteresse am lokalen Kollegen Evonik auslotet. Gespr\u00e4che sollen laufen. Was aber will der weitgehend fossilbasierte Weltkonzern \u00fcberhaupt damit? St\u00e4rkung der Spezialchemie wird genannt und die \u00fcblichen Kosteneinsparungen. K\u00f6nnte es in Wirklichkeit nicht eher darum gehen, die beachtlichen Kompetenzen von Evonik in der industriellen Biotechnologie zu kaufen? Die BASF k\u00f6nnte sich so unauff\u00e4llig auf die kommende Zeit vorbereiten, wenn es mit den klassischen petrochemischen Synthesen nicht mehr so l\u00e4uft. Biotechnologische Fermentations- und Aufarbeitungsverfahren werden in der postfossilen Chemie eine entscheidende Rolle spielen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ergibt das \u00dcbernahmeman\u00f6ver auf einmal Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man\u00f6ver 2: Die Merck KGaA in Darmstadt hat angek\u00fcndigt, die britische Silence Therapeutics Plc f\u00fcr eine knappe Milliarde Euro \u00fcbernehmen zu wollen. Damit wolle man seine Kompetenzen erweitern, um mehr Menschen mit seltenen Erkrankungen zielgerichtete Behandlungsoptionen anbieten zu k\u00f6nnen. Dass es sich bei Silence Therapeutics um ein klassisches Biotechnologieunternehmen handelt, wissen hierzulande wenigstens die Berliner, denn dort haben die Engl\u00e4nder im Stadtteil Buch eine Tochtergesellschaft. Au\u00dferdem hat Merck erst k\u00fcrzlich das US-Unternehmen Bio-Techne Corporation sowie zuvor SpringWorks Therapeutics Inc. \u00fcbernommen \u2013 letzteres ein biopharmazeutischer Krebsspezialist. Damit wird auch Merck immer biotechnologischer, auch wenn dieser Begriff an den Kapitalm\u00e4rkten kaum auftaucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man\u00f6ver 3: Sehr defensiv mutet an, dass der Schweizer Pharmariese Roche s\u00e4mtliche Investitionen in Deutschland auf Eis gelegt hat \u2013 man sei wegen der Sparma\u00dfnahmen im deutschen Gesundheitswesen irritiert. Ausgenommen sei jedoch der bereits laufende Ausbau des Standortes Penzberg, f\u00fcr den 600 Mio. aufgewendet werden. Wer wei\u00df heute schon noch, dass Penzberg mit der \u00dcbernahme des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Mannheim im Jahr 1997 in das Roche-Reich kam und bis heute als biotechnologisches Kompetenzzentrum gilt? Bei dieser Schl\u00fcsseltechnologie will man wohl lieber nicht sparen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man\u00f6ver 4: Der franz\u00f6sische Pharmakonzern Sanofi SA hat den ersten Spatenstich f\u00fcr eine neue, zwei Milliarden Euro teure Produktionsanlage f\u00fcr Humaninsulin in Frankfurt\/Main zelebriert. F\u00fcr den Standort ist das erfreulich und ein Dejavu. Denn in den fr\u00fchen 80er Jahren errichtete und betrieb die Hoechst AG dort eine der ersten biotechnologischen Industrieanlagen f\u00fcr Insulin. Damals war Hoechst das gr\u00f6\u00dfte Pharmaunternehmen der Welt und der riesige Bioreaktor heftig umstritten. Nach allerlei Fusionen und Spaltungen vermeintlich im Namen des Shareholder Values landete ein bedeutender Rest von Hoechst im heutigen Sanofi-Konzern, der dem Standort seither die Treue h\u00e4lt. Soweit, so gut \u2013 doch wer wei\u00df schon, dass nahezu s\u00e4mtliches Insulin der Welt heute biotechnisch hergestellt wird? Heute z\u00e4hlt eher die strategische Unabh\u00e4ngigkeit von China.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man\u00f6ver 5: Auch bei der j\u00fcngsten M&amp;A-Volte wieder das gleiche Spiel: Der Finanzinvestor EQT m\u00f6chte die deutsch-niederl\u00e4ndische Qiagen N.V. \u00fcbernehmen. Das Objekt der Begierde wird in der Presse als \u201eLabordienstleister und Diagnostikkonzern\u201c beschrieben \u2013 dabei ist die Mitte der 80er Jahre in D\u00fcsseldorf gegr\u00fcndete Firma schon immer ein reines Biotechnologieunternehmen und als solches auch jahrzehntelang ein Star der hiesigen Biotech-Branche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sieht, die Biotechnologie ist der entscheidende Baustein f\u00fcr viele erfolgreiche und nachhaltige Gesch\u00e4fte. Im Pharmasektor hat sie sich durchgesetzt und scheint kaum noch eine Erw\u00e4hnung wert zu sein, obwohl Biotechnik als Blaupause und gutes Erfolgsmuster etwa f\u00fcr die Chemie-, Ern\u00e4hrungs- und Energiebranchen dienen sollte. Denn die planetare Uhr tickt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abb. pixabay | cdd20<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der B\u00f6rse ist aktuell zu sehen, dass sich hierzulande wieder oder immer noch unternehmerisches Wollen zeigt: \u00dcbernahmepl\u00e4ne, Investitionen und Rationalisierungen im gro\u00dfen Stil. Bei f\u00fcnf Man\u00f6vern f\u00e4llt aber auf, dass letztlich der Kern des Ganzen kaum benannt wird \u2013 und steht doch wie der sprichw\u00f6rtliche Elefant im Raum. 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