{"id":1012,"date":"2026-06-18T09:58:18","date_gmt":"2026-06-18T09:58:18","guid":{"rendered":"https:\/\/biocom.ag\/?p=1012"},"modified":"2026-06-18T10:03:09","modified_gmt":"2026-06-18T10:03:09","slug":"gentechnik-babylonische-sprachverwirrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/biocom.ag\/en\/gentechnik-babylonische-sprachverwirrung\/","title":{"rendered":"Gentechnik: Babylonische Sprachverwirrung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Gestern um 14.21 Uhr meldete die Nachrichtenagentur dpa: \u201eGentechnik im Supermarkt: EU schw\u00e4cht Regeln ab\u201c. Dazu wurde ein Foto versendet. Darauf ein knackiger Maiskolben mit einem Biohazard-Schild nebst Beschrifttung GENFOOD. Der Text dazu war sachlich, wenn auch deutlich mehr Kritiker als Bef\u00fcrworter der Parlamentsentscheidung zitiert wurden. Das Foto visualisierte jedoch das Gegenteil der Nachricht, derzufolge die Mehrheit des EU-Parlamentes f\u00fcr mit neuen genomischen Techniken (NGT) gez\u00fcchtete Pflanzen eben keine Gefahr sieht. Endlich, seufzten erleichtert die Freunde der Biotechnologie europaweit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re interessant, eine Umfrage auf der Stra\u00dfe durchzuf\u00fchren, um herauszufinden, wieviel Prozent der B\u00fcrger mit dem K\u00fcrzel NGT oder seiner ausgesprochenen Langform \u201eNeue genomische Techniken\u201c etwas anfangen k\u00f6nnen.&nbsp;Oder mit Genschere beziehungsweise gar CRISPR\/Cas9. Jeder hat eine Meinung, aber kaum einer versteht die Bedeutung. Eigentlich ist es unfassbar, dass viele Bef\u00fcrworter der Biotechnologie nach Jahrzehnten immer noch Schwierigkeiten haben, positiv und verst\u00e4ndlich zu kommunizieren. Ich pers\u00f6nlich versuche es bei NGT mit \u201emolekularbiologischem Z\u00fcchten\u201c, das schneller und zielgenauer die gew\u00fcnschten Ergebnisse erzielt. Da sind mit \u201abiologisch\u2018 und \u201az\u00fcchten\u2018 wenigstens zwei vertraute Wortbestandteile enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diskutiert man mit Ottonormalverbrauchern, zieht immer noch ein schon ziemlich abgenudeltes Beispiel: Heute kennt man das Erbgut der Pflanzen und kann gezielt gew\u00fcnschte Eigenschaften in den Vordergrund r\u00fccken. Schnell und sicher. Fr\u00fcher wurde in unz\u00e4hligen Versuchen nach Zufallsmutationen gesucht \u2013 h\u00e4ufig sogar durch radioaktives Bombardement des Saatguts mit Kobalt-60-Gammastrahlen. Der Hartweizengries aus der Sorte Creso, der heute unsere Pasta so sch\u00f6n knackig macht, entstammt aus einer solchen. Tausende Pflanzenz\u00fcchtungen \u2013 darunter Reis, Gerste, Weizen oder Grapefruit \u2013 entstanden in den 50er und 60er Jahren weltweit auf diese brachiale Weise in kerntechnischen Anlagen, ohne dass bis heute irgendjemand fragt, ob diese Pflanzen eigentlich sicher sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Foto: pixabay<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern um 14.21 Uhr meldete die Nachrichtenagentur dpa: \u201eGentechnik im Supermarkt: EU schw\u00e4cht Regeln ab\u201c. Dazu wurde ein Foto versendet. Darauf ein knackiger Maiskolben mit einem Biohazard-Schild nebst Beschrifttung GENFOOD. Der Text dazu war sachlich, wenn auch deutlich mehr Kritiker als Bef\u00fcrworter der Parlamentsentscheidung zitiert wurden. 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